Was ist zweisprachige Erziehung?

Bilingualität als Herausforderung und Chance

11.01.2009 Eva Maria Nielsen

Zweisprachlichkeit fördert die kindliche Intelligenz, das abstrakte Denken, vermittelt Toleranz und Respekt. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern diese Chance gönnen.

Ein Kind sieht zum ersten Mal einen Dampfer. Die Mutter zeigt auf das Schiff und sagt:

„Was ist denn das? Das ist ein Dampfer.“

Indem sie das Wort „Dampfer“ betont und auf das Schiff zeigt, lernt das Kind die Bedeutung des Wortes. Schritt für Schritt entdecken Kinder ihre Umwelt und erobern sich Worte, um über diese Welt zu reden. Mit der Sprache unterwerfen sie sich die Welt und lernen sie verstehen.

Der Spracherwerb ist ein langjähriger und komplexer Prozeß, der weitgehend unterbewußt abläuft. Sprachkenntnisse werden antrainiert durch Wiederholung; sie entstehen nicht über Nacht, sondern wachsen wie die Jahresringe um einen Baum.

Was ist Bilingualität?

Bilingualität bedeutet schlichtweg „Zweisprachigkeit“. Viele Kinder wachsen heute, bedingt durch zunehmende Mobilität, zwei- oder mehrsprachig auf, weil ihre Eltern verschiedene Nationalitäten haben oder das Au-pair-Mädchen eine Fremdsprache spricht. Zweisprachigkeit ist eine Chance für das Kind, die die Eltern nicht verschenken sollten.

Welche Methoden haben sich beim bilingualen Spracherwerb bewährt?

Man unterscheidet zwischen zwei methodischen Zugängen.

1. Die schwache Sprache (oder Minderheitensprache) wird zu Hause gesprochen, während außerhalb der Familie die Landessprache die Tagesordnung bestimmt. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Eine deutsche Familie wohnt und arbeitet in Spanien. Außerhalb des Familienkreises – im Kindergarten, in der Schule, auf der Arbeit wird Spanisch gesprochen, aber wenn die Familie zusammen ist, spricht man natürlich deutsch.

2. Eltern mit verschiedenen Nationalitäten wählen oft eine andere Methode, abgekürzt: OPOL: One Parent One Language. Jeder Elternteil spricht konsequent seine Muttersprache mit dem Kind.

Hier ist es wünschenswert, daß in der Familie – soweit möglich – die schwache Sprache als Familiensprache gesprochen wird. Dies ist aber kein zwingender Grund für den Spracherwerb.

Unterstützen Sie die Zweisprachlichkeit Ihres Kindes so früh wie möglich

Leben bedeutet Veränderung und lernen. Kinder lernen in den ersten Lebensjahren spielerisch und intuitiv. Da Sprach – und Fremdsprachenkenntnisse zu den wichtigsten Fähigkeiten gehören, sollte man so früh wie möglich mit der Zweisprachlichkeit anfangen; gerne sofort nach der Geburt, damit es für das Kind natürlich ist, beide Sprachen zu hören.

Mit drei Jahren lernt ein Kind eine andere Sprache ebenso intuitiv wie seine Muttersprache, was sich inzwischen schon viele Kindergärten zu nutze machen, indem sie eine Fremdsprache durch Spiel vermitteln. Kinder erwerben sich eine Sprache spielerisch und zwar einfach, weil sie neugierig sind, Interesse am Spiel haben und Wiederholungen lieben.

Wie fördern Sie die Zweisprachlichkeit Ihres Kindes?

Sprechen Sie ihre Muttersprache konsequent mit Ihrem Kind. Antworten sie auf Ihrer Muttersprache, auch wenn das Kind erst nur die Landessprache spricht.

Singen Sie gemeinsam; lesen Sie Texte, die sich reimen. Das fördert den rhythmischen Spracherwerb.

Sorgen Sie dafür, daß Ihr Kind die Sprache in verschiedenen Situationen erlebt: lesen Sie Bücher, sehen sie sich Filme an, singen sie, besuchen sie das Mutterland, halten Sie Kontakt zu anderen Muttersprachlern.

Vermitteln Sie in Ihrer Familie, daß beide Sprachen den gleichen sozialen Status haben.

Gönnen Sie Ihrem Kind ab und zu einen ganzen Muttersprachetag. Das Eintauchen in die Sprache über einen längeren Zeitraum ist notwendig, damit die Kinder Zeit haben, die sprachliche Umgebung ganz auf sich einzulassen und in sie unterzutauchen.

Bedenken Sie, daß sie mit der Sprache auch kulturelle Werte vermitteln.

Ein Kind nimmt die Sprache mit seinem ganzen Wesen auf, es lernt intuitiv. Beim Erlernen einer Sprache ist daher die emotionale Seite wichtig. Die Muttersprache ist immer die Sprache des Herzens. Schaffen Sie deshalb positive Umgebung für den Spracherwerb.

Chancen der Zweisprachigkeit: Toleranz, abstraktes Denken, bessere Schulergebnisse

Kinder mit zweisprachiger Erziehung erzielen nach der Grundschule bessere Schulergebnisse. Sie sind gute Leser, weil sie sich beim Lesen mehr auf den Sinn als auf den Klang konzentrieren. Darüber hinaus fällt ihnen der Erwerb von Fremdsprachen leichter; sie sind kulturell interessiert und offener, toleranter und wißbegieriger.

Zweisprachige Kinder entwickeln früh die Fähigkeit, abstrakt zu denken. Sie haben intuitiv gelernt, daß es einen Unterschied gibt zwischen einem Wort und seinem Sinn. Intellektuell sind sie wendig, weil sie früh verschiedene Lernstrategien entwickeln.

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